Asperger Syndrom

Am 2. April 2015 – dem Weltautistentag – habe ich mich erstmalig mit dem Asperger Syndrom auseinandergesetzt. Heute möchte ich im „Mind Blog“ einige Gedanken dazu niederschreiben …

Als 45jähriger Wiener muß ich gestehen, dass die Erinnerungen an meine Kindheit schon weitgehend verrblasst sind. Aber ich habe nicht vergessen, dass ich in der Schule aufgrund von sozialen Schwächen und Ungeschicklichkeit stets eine Aussenseiter-Rolle inne hatte und von den Klassenkollegen gemobbt wurde. Im Alter von 14 Jahren erkrankte ich an akuter lymphoblastischer Leukämie, die durch Chemo- und Strahlentherapie geheilt werden konnte. Im Jahr 2008 wurde ein atypischer Hirntumor diagnostiziert und ich musste mich bislang drei Schädel OP’s und stereotaktischen Bestrahlungen unterziehen.

Auch wenn der Einstieg ins Berufsleben 1989 holprig verlief konnte ich ab 1997 eine weitgehende Kontinuität erreichen. Die Pflichterfüllung war mir stets sehr wichtig und ich gönnte mir etwa nach den Schädel-OP’s 2001 und 2008 keine Auszeit sondern war knapp drei Wochen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus wieder voll im Job aktiv.  Ab 2013 wurde der Arbeitsalltag zu einer massiven Belastung, da mir die zunehmende Sehbehinderung, Kopfschmerzen, Lärmempfindlichkeit und nicht zuletzt meine Gedankenwelt immer mehr zu schaffen machten.

Erst seit September 2014 nehme ich eine Psychoeinzeltherapie in Anspruch, bei welcher rasch erkannt wurde dass sich viele Verhaltensmuster wie ein roter Faden durch mein gesamtes Leben ziehen. Ein Psychiater attestierte 2014 ein „depressives Syndrom“ (F33.2), eine „unsichere-vermeidende Persönlichkeitsstörung“ (F60.6) sowie „massive Affektdissoziation“. Bereits 2012 hatte ein Psychologe eine „zwanghafte Persönlichkeitsstörung“, „Zwangsgedanken“ sowie eine „Sozialphobie“ diagnostiziert.

Am Weltautistentag 2015 wurde ich von einem Freund auf das Asperger Syndrom angesprochen und  erkannte nach anfänglicher Skepsis dass zahlreiche Parallelen zu meiner Persönlichkeit bestehen. Das beginnt bei den sozialen Mankos sowie dem für mich belastenden Small Talk und geht über die förmliche und pedantische Sprache bis hin zu den motorischen Ungeschicklichkeiten. Auch der Psychiater und meine Psychotherapeutin bestätigten, dass in meinem Fall „etliche Hinweise auf das Asperger Syndrom“ (F84.5) vorliegen würden.

Im Jahr 2015 wurde ich eingeladen eigene Erfahrungen in Sachen zwischenmenschlicher Interaktion in zwei Buchjprojekte („Hochfunktionale Autisten im Beruf“, „Typisch untypisch – Berufsbiografien von Asperger-Autisten“) einzubringen. In weiterer Folge gestaltete ich ein kleines Informationsportal zum Asperger Syndrom, in welchem ich meine persönlichen Gedanken niedergeschrieben habe.

Ein Kommentar

  • Silvia

    Man kann dein Dilemma gut nachfühlen, Peter. Diese „Verdachtsdiagnose“ hat einige Erklärungen für manches in deinem Leben geliefert. Ich hoffe, dass es nuneinfacher für dich ist, mit verschiedenen Dingen umzugehen…

    Liebe Grüße
    Silvia

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