Das Postamt – Geschichten aus dem Cafe Steiner

Die Geschichte von der ich heute erzählen möchte beginnt schon mal mit einem nicht ganz korrekt gewählten Titel. Denn seit die Österreichische Post 1999 als registriertes Logistik- und Postunternehmen verselbstständigt wurde handelt es sich keineswegs mehr um ein Amt, sodass es auch auch keine Postämter mehr geben könne. Das Unternehmen selbst bezeichnet seine Niederlassungen auch korrekt als Postfilialen, doch ist der traditionsreiche Begriff des Postamtes weiterhin im Sprachgebrauch der Bevölkerung verhaftet geblieben.

Seit Mitte 2004 wurde die Teilprivatisierung der Post von politischer Seite angestrebt. Nach dem erfolgten Börsengang befinden sich seit 2006 knapp 48% der Unternehmensanteile im Streubesitz, den Mehrheitsanteil hält weiterhin die staatseigene ÖIAG. Unter dem Aspekt der Kostenoptimierung hat die Post seither in starkem Ausmaß Postfilialen geschlossen wobei zuletzt besonders ländliche Gegenden betroffen waren. Auch wenn Kritiker eine Vernachlässigung der geltenden Universaldienstverordnung ins Treffen führten wurde von Seiten der Post AG auf die Notwendigkeit einer wirtschaftlichen Geschäftsführung verwiesen.

Bei einem meiner letzten Besuche im „Cafe Steiner“ sollte ich erfahren, dass die Post bereits darüber nachdenkt ihre Schließungswellen auch auf den städtischen Bereich auszudehnen. Kellner Martin erzählte mir an dem Abend von einem Artikel den er in der Bezirkszeitung gelesen hatte, wonach die Post drei Filialen im 2. Wiener Gemeindebezirk schließen möchte. Auch die für meine Wohnung zuständige Filiale Engerthstraße wäre davon betroffen. Ich war von dieser Absicht durchaus überrascht, denn über mangelnde Kundenfrequenz kann sich die Filiale bestimmt nicht beklagen und längere Wartezeiten etwa beim Abholen eines Paketes sind durchaus nicht selten. Auch wenn man vereinzelt meint, dass durch E-Mails das Briefpostaufkommen dezimiert worden wäre hat der Internethandel das Paketaufkommen massiv erhöht.

Wie mir Martin weiter erzählte würde die Post beabsichtigen die Postschalter an naheliegende BAWAG Filialen zu übertragen. Auch wenn wir mal davon absehen, dass eine Bank derzeit deutlich kürzere Öffnungszeiten als eine Postfiliale hat möchte ich auch anzweifeln wieweit die unterschiedlichen mit dem Postgeschäft verbundenen Dienstleistungen von einer Bank nebenbei erledigt werden können. Natürlich hat die Post schon seit 2004 an anderen Standorten das System von Post-Partner eingesetzt um eigene Filialen schließen zu können, die aber nach dem Postgesetz im Sinne der Universaldienstverordnung erhalten bleiben müssten. Auch vollautomatische Systeme wie etwa die „Post.24-Station“ wurden etabliert, sollten aus meiner Sicht aber mehr als Ergänzung denn als Ersatz für eine Postfiliale dienen.

Einzelne Bürgerinitiativen bezeichneten die Pläne der Postfilialen Schließung in Wien-Leopoldstadt bereits als Schlag gegen eine funktionierende Nahversorgung im Bezirk und versuchen mit Unterschriftenaktionen gegen die Schließungspläne zu mobilisieren. Ob ein solches Vorgehen von der Post auch auf Gehör stoßen wird werden wir sehen.

Im Laufe des Abends wurden zwischen den anwesenden Gästen auch unterschiedliche Erfahrungsberichte in der Paketzustellung ausgetauscht, wobei dabei auch Paketzustellungsunternehmen wie etwa UPS oder DHL erwähnt wurden. Auch wenn sich die Zustelldienste um ein effizientes System bemühen waren meine eigenen Erfahrungen mit ihnen nicht immer die Besten. Einmal wurde ein Paket vor meiner Haustüre abgelegt, ein anderes mal war das Paket in einem von meiner Wohnung weit entfernten Second Hand Shop hinterlegt worden. Natürlich wird vom Zusteller zumeist eine Rufnummer hinterlassen unter welcher man einen alternativen Zustelltermin vereinbaren kann. Selbst bevorzuge ich derzeit aber immer noch eine Zustellung mit der Post, wo ich die Sendungen von der naheliegenden Filiale abholen kann.

Pedro

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