Es lebe der Sport – Ansichtssache

Es scheint fast so, als ob ich erst knapp vierzig Jahre alt werden mußte um mir ernsthafte Gedanken über eine sportliche Betätigung zu machen. In dem heutigen Artikel – dessen Titel ich nicht ganz unbewußt einem legendären Hit von Rainhard Fendrich entliehen habe – möchte ich für mich selbst einige Gedanken über mein manchmal etwas kompliziertes Verhältnis zum Sport niederschreiben.

Es war Anfang 2010, als ich mich spontan in einem Fitnesscenter unweit meiner Wohnung einschreiben ließ. Beim ersten Besuch wurde ich von einem Trainer über die bestehenden Möglichkeiten ausreichend instruiert, doch beschränkte sich mein weiteres Training letztlich doch fast ausschließlich auf den Ergometer und das Laufband. Ich hatte mir vorgenommen, daß ich zwei- bis dreimal wöchentlich trainieren gehen würde und blieb diesem Vorsatz anfangs auch treu. Die Begeisterung konnte mich aber trotzdem nicht erfassen und so entschloß ich mich schon nach drei Monaten die Besuche im Fitnesscenter zu pausieren. Eine Pause die bis heute anhält – offenbar hatte ich den Vorsatz innerlich doch zu sehr als Pflichterfüllung empfunden. Es mag auch sein, daß mein Trainingsplan zu wenig Abwechslung bot oder daß ich im Fitnesscenter auch einfach nicht heimelig werden konnte.

An der vorhandenen Absicht, daß ich etwas für meine körperliche Fitness tun möchte, hatte sich durch die Beendigung der Mitgliedschaft im Fitnesscenter aber nichts geändert. Nach einer nur sehr zaghaft umgesetzten Radfahrkarriere bot sich Ende des Vorjahres eine neue interessante Möglichkeit an. Bei einer Kaffeepause in der Firma beschlossen Thomas und ich, daß wir einen abendlichen Lauf über die Prater Hauptallee unternehmen könnten. Den Lauf über eine Strecke von knapp 10 Kilometer in einem angenehmen Lauftempo haben wir mittlerweile schon mehrfach absolviert. Ich würde es natürlich auch toll finden, wenn wir die Regelmäßigkeit, die wir uns vorgenommen haben auch beibehalten. Ich sehe den Laufsport derzeit als Alternative zum Fitnessclub – es mag aber schon auch sein, daß das Laufen mit einem Freund mehr Spaß macht als das monotone Gerätetraining in einem Club.

Ihr denkt jetzt vielleicht, liebe Leser, daß ich euch mit der Erzählung über meine vorerst zaghaft umgesetzten sportlichen Aktivitäten langweilen möchte. Aber keine Sorge, ich versuche gleich zum Punkt zu kommen. Die Möglichkeit des soeben vorgestellten Laufsports hätte natürlich für mich auch schon zuvor bestanden und der Vorsatz war gar nicht mal so fern wie man glauben möge. Ich vertrat hier für mich aber immer die Meinung, daß meine Kondition für diesen Sport nicht ausreichen würde. Im nachhinein betrachtet klingt diese Gedankenwelt durchaus verrückt, da wohl ohne entsprechendes Training auch keine Kondition entstehen könne. Und wie ich zuletzt feststellen konnte zeigt sich schon nach wenigen Läufen auch eine Besserung in der konditionellen Verfassung.

Mein Verhältnis zum Sport ist und bleibt aber ein etwas kompliziertes. Manche Menschen würden von mir wahrscheinlich auch annehmen, daß ich dem Sport ablehnend gegenüberstehe – was in dieser pauschalen Aussage gewiß nicht zutrifft. Aufgrund vorhandener Defizite in meiner körperlichen Geschicklichkeit habe ich aber alle Sportarten, welche eine solche erfordern, mehr oder weniger ausgeschlossen. Das fehlende Talent für Ballsportarten – sei es Fußball, Tennis oder dergleichen – konnte ich schon in meiner Schulzeit unter Beweis stellen. Man könnte nun vorbringen, daß ich mir diesem Umstand nur einreden möchte – ich denke aber nicht, daß es so ist.

Kommen wir abschließend zu dem von Reinhard Fendrich im Jahr 1983 aufgenommenen Titel „Es lebe der Sport“ zurück. In diesem wird eigentlich der typische „Salonsportler“ ein klein wenig auf die Schaufel genommen. Es ist schon zutreffend, daß ich nie ein Interesse für Sportübertragungen jeglicher Art entwickelt habe. Warum das so ist kann ich nicht wirklich beantworten, allerdings soll dieser Umstand keine Ablehnung gegenüber Profisport zeigen. Für mich sind Aktivsportler zumeist auch am Profisport interessiert, der Passivsportler vor seinem TV-Gerät muß aber nicht annähernd etwas mit Aktivsport zutun haben.

Ich bin durchaus ein klein wenig stolz darauf, daß ich nun begonnen habe mich dem Laufsport zu widmen – die Ableitung der Bezeichnung Aktivsportler wäre trotzdem vermessen. Aber auch eine Ausweitung auf andere Sportarten scheint denkbar, wobei auch das Fitnesscenter nicht gänzlich ausgeschlossen sein soll. Die erwähnte mangelnde Geschicklichkeit – die vielleicht auch teilweise vom Kopf ausgeht – wird auch weiterhin gewisse Sportarten ausschließen. Wenn ich diesen Umstand berücksichtige besteht aber kein Grund zu vollkommener sportlicher Untätigkeit. Es war an der Zeit das endlich zu begreifen…

Pedro

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