Das Klassentreffen – Geschichten aus dem Cafe Steiner

Im Herbst vorigen Jahres hatte ich euch unter dem Titel „Die Privatschule“ von Stammgast Jürgen erzählt, der sich gerade mit Überlegungen zum schulischen Werdegang seiner 10jährigen Tochter Tanja beschäftigte. Zusammen mit seiner Gattin hatte er Überlegungen angestellt ob die Tochter nicht an einer Privatschule bessere Ausbildungsmöglichkeiten genießen könne. Die Stammgäste des „Cafe Steiner“ vertraten damals durchaus kontroverse Ansichten zu Jürgen Vorhaben, was diesen aber verständlicherweise auch nicht sonderlich beeindrucken sollte.

Jürgen hatte nach der Hauptschule eine dreijährige Privatschule in Wien-Landstasse besucht, die mir gut bekannt war da ich sie selbst absolviert habe   Der Lehrplan der SDV-Schulen basierte im wesentlichen am Lehrplan einer Handelsschule, versprach aber einen Schwerpunkt auf die IT-Ausbildung zu setzen. Die Informatik-Ausbildung hatte vor zwanzig Jahren noch nicht jenen Stellenwert, wie heute und dieser Umstand kam dem Schulbetreiber damals durchaus entgegen. Ich gehe davon aus, daß heute jede öffentliche Handelsschule ihren Schülern eine deutlich bessere IT-Ausbildung als die seinerzeitige SDV angedeihen läßt.

Natürlich ließen Jürgen und ich es uns nicht nehmen an dem Abend im „Cafe Steiner“ manche Erinnerungen an die Schulzeit revue passieren zu lassen. Auch wenn die SDV aus heutiger Sicht bestimmt keine allzu vertiefende IT-Ausbildung vermittelte haben wir beide unseren beruflichen Weg gefunden. Wie auch immer man zu der Schule in der Wiener Salmgasse gestanden haben mag läßt sich nicht bestreiten, daß die Absolventen am Jobmarkt zumeist durchaus gute Chancen hatten.

Der Besuch der selben Schule ist aber nicht die einzige Gemeinsamkeit die mich mit Jürgen verbindet. Dieser Umstand sollte sich zeigen, als mir Jürgen von seiner Idee erzählte ein Klassentreffen der damaligen Abschlußklasse organisieren zu wollen. Tatsächlich hatte ich ein solches Vorhaben in den 80er Jahren für die Hauptschulklasse umzusetzen versucht und war letztlich kläglich dgescheitert. Nur wenige Jahre nach dem sich die Wege der vormaligen Klassenkollegen getrennt hatten war keinerlei Interesse für ein solches Zusammentreffen zu erkennen gewesen. Manche von euch werden nun die Meinung vertreten, daß dies auch nicht sonderlich überraschend ist und aus heutiger Sicht würde ich dem durchaus zustimmen.

Jürgen ist heute 32 Jahre alt und seine Zeit als Schüler der SDV liegt demnach auch bereits bald 15 Jahre zurück. Ich wollte Jürgen in dem Gespräch seine Idee auch keineswegs schlecht reden und war vorerst mal interessiert wie er an die Sache herangehen wolle. Er hätte mit keinem seiner vormaligen Klassenkollegen einen direkten Kontakt, wisse aber einen Großteil der Namen. Nun könne er sich vorstellen unter Zuhilfenahme der Möglichkeiten des Internet das eine oder andere Facebook Profil oder dergleichen ausfindig zu machen. Er sei sich des Umstandes durchaus bewußt, versicherte mir Jürgen, dass es kaum möglich wäre die gesamte vormalige Klasse wiederzuvereinen.

Natürlich kann es eine nette Sache sein, wenn es Jürgen gelingen mag, auch nur einen kleinen Kreis von ehemaligen Schulkollegen in einem Kaffeehaus wieder zu treffen. Es gäbe bestimmt viele Dinge über die man sich unterhalten könne. Die Frage bleibt, ob an einem solchen Treffen tatsächlich Interesse besteht und ob der Aufwand den Jürgen dafür auf sich nimmt gerechtfertigt sein kann. Ich möchte abschließend betonen, daß ich die Initiative von Jürgen durchaus sympathisch finde. Andererseits kann ich euch aber auch versichern, daß ich es selbst bestimmt nicht tun würde und auch nicht mal sicher wäre, ob ich an einem solchen Treffen teilnehmen wollte. Für das Interesse an einem Klassentreffen ist es natürlich auch sehr wesentlich, ob und wieweit eine intakte Klassengemeinschaft überhaupt existiert hat.

Pedro

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